IAT Seniorenwirtschaft am IAT



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Historie

Ausgehend von der Überlegung, dass das Altern der Gesellschaft mit erheblichen Chancen für Wirt-schaft und Beschäftigung verbunden sein kann, hat das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1999 eine Initiative Seniorenwirtschaft zur Aktivierung der "Wirtschaftskraft Alter" ins Leben gerufen. Die Grundlage dieser Überlegungen bildete das Memorandum "Wirtschaftskraft Alter" der Forschungsgesellschaft für Gerontologie, Dortmund (FfG) und des Institutes Arbeit und Technik, Gelsenkirchen (IAT). Aufgezeigt wurde darin, dass es durch die (Weiter-) Entwicklung seniorengerechter Produkte und Dienstleistungen gelingen kann, die Wirtschaftskraft älterer Menschen zu aktivieren, das vorhandene (Erfahrungs-) Potenzial zu nutzen und dadurch sowohl positive wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Effekte zu erzielen als auch zu einer Erhöhung der Lebensqualität älterer Menschen beizutragen. Diese Überlegungen wurden auf einem Workshop zum Thema "Wirtschaftskraft Alter: Gestaltungsfelder zur Beschäftigungsförderung" im November 1999 in Gelsenkirchen von Akteuren aus Wirtschaft und Verbänden, der öffentlichen Hand sowie der freien Wohlfahrtspflege diskutiert. Es wurden Erkenntnisse über die Verbreitung und Umsetzung der Entwicklung seniorengerechter Dienstleistungen und Produkte gesammelt und mit Blick auf die Erzielung positiver Beschäftigungseffekte gebündelt, bereits bestehende viel versprechende Handlungsansätze und -strategien identifiziert und weiterentwickelt sowie Kooperationspartner gewonnen und erste konkrete Ideen aufgegriffen.

Auf dieser Grundlage beschloss der Steuerungskreis des nordrhein-westfälischen Bündnisses für Ar-beit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit im August 1999, die Entwicklung seniorenorientierter Dienstleistungsangebote und Produkte zu unterstützen und die damit in Verbindung stehenden Beschäftigungsmöglichkeiten zu fördern. Hierzu konstituierte sich am 28.02.2000 im Rahmen des Bündnisses für Arbeit NRW die Arbeitsgruppe Seniorenwirtschaft. Als Träger der AG Seniorenwirtschaft fungierten die Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, Kammern und Fachverbände von Hand-werk, Industrie und Handel sowie die Landesregierung NRW; die Federführung oblag dem Ministeri-um für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW (MFJFG-NRW) und dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes NRW (MASQT-NRW). Entsprechend den Ergebnissen eines Auftaktworkshops wurden von der AG drei Themenkomplexe als prioritäre Handlungsfelder festgesetzt, zu denen sich jeweils Unterarbeitsgruppen konstituierten:

  • Telekommunikation und Neue Medien
  • Wohnen, Handwerk und Dienstleistungswirtschaft
  • Freizeit, Tourismus, Sport, Wellness und Kultur

Zur Umsetzung der Initiative wurde eine institutionelle Struktur mit drei Säulen eingesetzt: die AG Seniorenwirtschaft als Zentrale Arbeitsgruppe, drei handlungsfeldbezogene Unterarbeitsgruppen und die Geschäftsstelle Seniorenwirtschaft. Die Einbindung der AG Seniorenwirtschaft in das nordrhein-westfälische Bündnis für Arbeit blieb bis Februar 2002 bestehen. Auf der Sitzung des politischen Steuerungskreises des Bündnisses für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit des Landes Nord-rhein-Westfalen am 19.02.02 wurde der Beschluss gefasst, dass "die Funktion der Arbeitsgruppe im Bereich Seniorenwirtschaft und das Erreichte als erfolgreich abgeschlossen" betrachtet und die Aktivitäten des Projekts Seniorenwirtschaft außerhalb der offiziellen Bündnisstrukturen fortgesetzt werden sollen. Seit Anfang März 2002 wurde das Projekt als Landesinitiative Seniorenwirtschaft NRW unter der bewährten Federführung der beiden NRW Ministerien MFJFG und MASQT fortgeführt. Umstrukturierungen der nordrhein-westfälischen Landesministerien im November 2002 hatten zur Folge, dass die alleinige Zuständigkeit für die Landesinitiative Seniorenwirtschaft dem neuen Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie (MGSFF NRW), Referat Medienkompetenz und Seniorenwirtschaft, übertragen wurde. Der mit den Landtagswahlen einhergehende Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen führte zu einem neuen Zuschnitt der Zuständigkeiten und Begrifflichkeiten. Die Federführung der Zukunftsinitiative Seniorenwirtschaft lag seit Mai 2005 bei dem Ministerium für Generationen, Frauen, Familie und Integration (MGFFI NRW), Referat Seniorenwirtschaft und Medienkompetenz.


Abb.: Organisatorischer Aufbau der Zukunftsinitiative Seniorenwirtschaft
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Die Arbeit in den drei Gestaltungsfeldern wurde unberührt von den strukturellen Veränderungen fortgesetzt. Ergänzt und ausgeweitet wurden sie kontinuierlich durch Themenschwerpunkte, denen eine große Bedeutung für den Erhalt von Lebensqualität älterer Menschen sowie für die Schaffung von Arbeitsplätzen zukommt. So wurden beispielsweise die Themen "Ernährung im Alter" sowie "Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte" in Arbeitsgruppen aufgegriffen, die sich aus Vertreter/innen der zuständigen Ministerien sowie externen Experten/innen und Interessent/innen zusammensetzten. Neben der Analyse und Diskussion entwickeln die Arbeitsgruppen Handlungsempfehlungen, -strategien sowie Projektideen und definieren darüber hinaus die im Handlungsfeld notwendigerweise zu gestaltenden Rahmenbedingungen (z. B. Qualifizierung, Qualitätssicherung, Förderung von Existenzgründung).

Im Jahr 2006 fand eine Verschiebung der Aktivitäten der Zukunftsinitiative zugunsten eines regionalen Fokusses statt. Denn trotz der Erfolge, die sich in einigen Bereichen der Seniorenwirtschaft zeigten, bedurfte es einer weiteren Unterstützung der Entwicklungsfelder und dies besonders im Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet mit seinen über fünf Millionen Einwohnern altert schneller als das übrige NRW und die Städte an der Ruhr schrumpfen mit teilweise zweistelligen Abnahmeraten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um sich nicht auf die Verwaltung des Rückbaus zu beschränken, sondern Strategien zur Gestaltung des demografischen Wandels zu entwickeln und zu erproben. Ebenso wie auf Landesebene verfolgte das Projekt "Seniorenwirtschaft im Ruhrgebiet" einen ökonomisch orientierten Ansatz und richtete sich in erster Linie an die Unternehmen der Region, die dabei unterstützt werden sollten, ihr Angebot an seniorengerechten Produkten und Dienstleistungen zu erhöhen und die Bereiche seniorenorientierte Entwicklung, seniorenorientierter Vertrieb und seniorenorientierte Vermarktung zu optimieren. Aufgaben der Projektstellen Seniorenwirtschaft NRW bzw. Ruhrgebiet am IAT waren vor allem:

  • Entwicklung und fachliche Fundierung von Vorschlägen für Maßnahmen/Projekte
  • Wissenschaftliche Beratung, Bewertung und Begleitung von Projekten/Initiativen
  • Konzeption und Durchführung von einschlägigen Veranstaltungen/Workshops
  • Sondierung, Bündelung und Vermarktung der vorhandenen Kompetenzen
  • Operative Begleitung und Koordination der Gesamtinitiative
  • Erstellung und Kommunikation von Forschungsergebnissen und best practice Beispielen zu Entwicklungen und Perspektiven in der Seniorenwirtschaft

Die Projektstellen hatten ihren Sitz im Wissenschaftspark Gelsenkirchen und wurden in fachlichen Fragen vom dort ansässigen Institut Arbeit und Technik unterstützt und begleitet.

Die Erfahrungen der Zukunftsinitiative Seniorenwirtschaft NRW zeigten, dass sich eine so verstandene (Sozial)Politik für ältere Menschen durchaus mit dem marktwirtschaftlich orientierten Denken von Unternehmern/innen und Unternehmungsgründern/innen in Einklang bringen lässt und dass es im Gemeinwohlinteresse wünschenswert ist, diese vermeintlichen Gegensätze zusammenzubringen.

Es hat sich gezeigt, dass die nordrhein-westfälische Wirtschaft, Kommunen und andere an dem Projekt beteiligte Akteure bereit sind und über genügend Potenzial verfügen, um auf diesem Geschäftsfeld Erfolge im Interesse aller Beteiligten zu erreichen. Mit Beendigung der Förderphase durch das Land NRW sind auch die damit verbundenen Projektstellen ausgelaufen. Das Institut Arbeit und Technik (IAT) bearbeitet im Rahmen seiner Forschungen dass Thema "Wirtschaft und Lebensqualität im demografischen Wandel" weiterhin und steht für alle Interessierten als Ansprechpartner für Fragen, Projekte und Vorhaben in diesem Feld zur Verfügung.

Beispiele für bisherige Projekte, Veranstaltungen, etc.:

Telekommunikation und Neue Medien

  • Zukunftskongress Chancen und Innovation durch Telemedien
  • Medienkompetenzzentrum für Senioren/innen in Münster
  • Bildbasierte Unterstützung pflegender Angehöriger
  • Technikgestützte Kommunikation in der ambulanten Pflege

Wohnen, Handwerk und Dienstleistungen

  • Qualitätssiegel Betreutes Wohnen NRW
  • Kompetenzpapier Intelligentes Wohnen
  • Informations- und Qualifizierungszentrums Lebensgerechtes Wohnen OWL in Bielefeld
  • Handwerkszentrum Wohnen im Alter der HWK Düsseldorf
  • Smarter Wohnen NRW
  • Qualitätssicherung bei haushaltsnahen Dienstleistungen für ältere Menschen in NRW
  • Seniorengerechter Einzelhandel in Großstädten NRWs

Freizeit, Tourismus, Sport und Kultur

  • Öffnung der Kulturwirtschaft für Senioren
  • Aufbau eines universitären Bildungsangebotes für Ältere
  • Ausweitung des japanischen Gesundheitstourismus in NRW
  • Leitfaden "Ältere Menschen auf Reisen"
  • Entwicklung von Modellregionen für seniorenorientierten Tourismus

Übergreifende Themen

  • Aufbau eines Seniorenwirtschaft Netzwerk Europäischer Regionen (SEN@ER)
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zu einer gesunden "Ernährung im Alter"
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Öffnung der Seniorenwirtschaft für ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte
  • Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zum lebensintegrierten Lernen im Alter

Veranstaltungen

  • Silver economy conference, Erste europäische Konferenz zur Seniorenwirtschaft, Februar 2005, Bonn
  • Silver economy conference, Zweite europäische Konferenz zur Seniorenwirtschaft, November 2006, Kerkrade (NL)
  • Entwicklungsperspektiven der Gesundheits- und Seniorenwirtschaft unter den Bedingungen des sozio-demografischen Wandels
  • Dienstleistungsoffensive der Wohlfahrtsverbände für Senioren in NRW
  • Öffnung der Kulturwirtschaft für Seniorinnen und Senioren
  • Generation 50plus - Dienstleistungspotenziale öffentlicher Einrichtungen für eine neue Zielgruppe, Seniorenorientiertes Design und Marketing in NRW
  • Wohnen mit Service - Qualitätssiegel für Senioren-Wohnanlagen
  • Freizeitverhalten älterer Mitbürger: Impulse für die Seniorenwirtschaft
  • The ageing society - Opportunities and challenges for strengthening Europe's competitiveness
  • Seniorenmarketing in NRW
  • Seniorenorientiertes Design und Marketing in NRW
  • Rosige Zeiten für Golden Girls? - Angebote der Seniorinnenwirtschaft für ältere Frauen
  • Gesellschaftliche Wendezeiten - Alter gestalten und gemeinsam Perspektiven für die Euregio entwickeln Initiierung und Durchführung von Studien und Expertisen:
  • Seniorenmarketing - Seniorengerechte Kommunikation und Produktverpackung
  • Ernährung im Alter - Wirtschaftliche, ernährungswissenschaftliche und medizinisch-geriatrische Aspekte einer gesunden Ernährung im Alter
  • Erschließung der Seniorenwirtschaft für älterer Migrantinnen und Migranten
  • Reaktionsmöglichkeiten für Handelsunternehmungen im Hinblick auf die Veränderungen der Altersstruktur
  • Regionalwirtschaftliche und fiskalische Effekte einer Förderung der Seniorenwirtschaft in NRW
  • Qualitätssiegel "Betreutes Wohnen für ältere Menschen in Nordrhein-Westfalen"
  • Repräsentativbefragung Einkommenssituation Älterer in NRW
  • Freizeitverhalten älterer Mitbürger - Impulse für die Seniorenwirschaf
  • Rauschen, Manfred / Rauschen, Atsuko, 2002: Japanische Senioren/innen als neue Zielgruppe für die nordrhein-westfälische Tourismuswirtschaft:
  • Silbermarkt Japan: eine Perspektive für die NRW-Wirtschaft?
  • Ältere Menschen auf Reisen - Ein Leitfaden zur Entwicklung und Überprüfung von Urlaubsangeboten für Senioren/innen
  • Qualitätskriterien für seniorenorientierte Beherbergungsbetriebe
  • Seminarreihe für kommunale Entscheidungsträger in Kooperation mit der AG kommunaler Wirtschaftsförderer
  • Seminare für Journalisten in Kooperation mit der JournalistenAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Durchführung von Foren und Werkstätten in Partnerschaft mit dem Städte-Netzwerk NRW
  • Gründungs- und Innovationspreis - Geschäftsideen für mehr Lebensqualität
  • Vermarktung des Kompetenzstandortes: Mitarbeit im Netzwerk "Medical Technology Partnership Japan-NRW". Maßnahmen zur Exportförderung von Pflege- und Gerontotechnik für den japanischen Markt.




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